Ist zu viel Eiweiß schädlich? Mythen und Fakten.

Eiweiß ist ein wichtiger Nährstoff für unsere Gesundheit und spielt eine entscheidende Rolle beim Aufbau und der Reparatur von Muskeln, Organen und Knochen. Aber gibt es eine Grenze dafür, wie viel Eiweiß du mit deiner Ernährung zu dir nehmen solltest? Wann überschreitet die Proteinzufuhr die Grenze vom Nutzen zum potenziellen Schaden? In diesem Artikel gehen wir den Fakten auf den Grund und räumen mit den Mythen rund um den Eiweißkonsum auf. Dabei gehen wir auf die zahlreichen Aspekte von Eiweiß und seine Auswirkungen auf deine Gesundheit ein.

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Eiweiß: Die Bausteine des Lebens

Bevor wir uns mit den möglichen Risiken eines übermäßigen Proteinkonsums beschäftigen, ist es wichtig zu verstehen, welche Rolle Proteine in unserem Körper spielen. Eiweiß, das aus Aminosäuren besteht, ist der wichtigste Baustein unserer Zellen, Gewebe und Organe. Es ist an verschiedenen Körperfunktionen beteiligt, wie z. B.:

Muskelwachstum und -reparatur

Hormonproduktion

Funktion von Enzymen

Unterstützung des Immunsystems

In Anbetracht seiner wichtigen Rolle für unser Wohlbefinden ist es kein Wunder, dass gesundheitsbewusste Menschen Eiweiß in ihrer Ernährung oft den Vorrang geben. Aber wie alles andere kann auch der Verzehr von zu viel Eiweiß seine Nachteile haben.

Wie viel Eiweiß brauchst du?

Die empfohlene Tagesmenge an Eiweiß hängt von Faktoren wie Alter, Geschlecht und Aktivitätsniveau ab. Die National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine empfehlen, dass Erwachsene zwischen 10 % und 35 % ihrer täglichen Kalorien aus Eiweiß zu sich nehmen, was 50 bis 175 Gramm pro Tag entspricht. Sportler und Menschen, die Krafttraining betreiben, benötigen möglicherweise eine noch höhere Proteinzufuhr, um das Muskelwachstum und die Muskelreparatur zu unterstützen.

Eine Überschreitung der empfohlenen Proteinzufuhr führt jedoch nicht unbedingt zu einer verbesserten sportlichen Leistung oder einem deutlichen Muskelzuwachs. In einer Studie aus dem Jahr 2022 wurde festgestellt, dass der Verzehr von mehr Eiweiß als empfohlen keinen nennenswerten Nutzen bringt, da er bei gesunden Erwachsenen nur zu einem minimalen Muskelzuwachs führt.

Warnzeichen für eine übermäßige Proteinzufuhr

Woran erkennst du, dass du zu viel Eiweiß zu dir nimmst? Hier sind einige häufige Warnzeichen, die darauf hinweisen, dass du es mit diesem wichtigen Nährstoff übertreibst.

  1. Häufiges Urinieren

Wenn du ständig auf die Toilette musst, kann das ein Zeichen dafür sein, dass du zu viel Eiweiß zu dir nimmst. Unsere Nieren können nur eine begrenzte Menge an Eiweiß auf einmal verarbeiten, was dazu führt, dass sich Abfallprodukte aus dem Eiweißabbau ansammeln. Dies wiederum kann zu häufigem Wasserlassen führen, da dein Körper versucht, diese überschüssigen Abfallprodukte auszuscheiden.

  1. Stimmungsschwankungen

Eiweißreiche Diäten können zwar bei der Gewichtsabnahme und dem Muskelaufbau helfen, sie können aber auch zu Stimmungsschwankungen wie Angstzuständen oder Depressionen beitragen. Das liegt daran, dass eine eiweißreiche, kohlenhydratarme Ernährung möglicherweise die Produktion von Serotonin beeinträchtigt, einem Neurotransmitter, der für die Regulierung der Stimmung verantwortlich ist. Die Forschung zu diesem Thema ist jedoch noch nicht abgeschlossen, und die Ergebnisse sind uneinheitlich.

  1. Verstopfung oder Diarrhöe

Ein übermäßiger Proteinkonsum kann sich auch negativ auf dein Verdauungssystem auswirken und zu Verstopfung oder Durchfall führen. Eine eiweißreiche Ernährung enthält oft wenig Ballaststoffe, die in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten sind und die Verdauung regulieren. Um diese Probleme zu vermeiden, solltest du mehr ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Obst und Gemüse in deinen Speiseplan aufnehmen.

  1. Gewichtszunahme

Obwohl eiweißreiche Diäten oft für ihre Vorteile bei der Gewichtsabnahme gelobt werden, kann die langfristige Einhaltung solcher Diäten zu einer Gewichtszunahme führen. Das liegt daran, dass überschüssiges Eiweiß als Fett gespeichert wird und die überschüssigen Aminosäuren ausgeschieden werden. Wenn du zu viele Kalorien zu dir nimmst und gleichzeitig die Proteinzufuhr erhöhst, kann das mit der Zeit zu einer Gewichtszunahme führen.

  1. Müdigkeit

Wenn du zu viel Eiweiß isst, kannst du dich müde und träge fühlen, selbst wenn du genug Schlaf bekommst. Das liegt daran, dass ein zu hoher Eiweißkonsum deine Nieren, deine Leber und deine Knochen belastet und sie zwingt, Überstunden zu machen. Außerdem kann eine eiweißreiche, kohlenhydratarme Ernährung die Gehirnfunktion beeinträchtigen, was zu Konzentrationsschwäche und verminderter Energie führt.

  1. Mundgeruch

Der Verzehr großer Mengen an Eiweiß, vor allem in Abwesenheit von Kohlenhydraten, kann zu Mundgeruch führen. Das liegt daran, dass dein Körper in einen Zustand namens Ketose gerät, in dem Chemikalien produziert werden, die einen unangenehmen, fruchtigen Geruch verströmen. Um dieses Problem zu bekämpfen, solltest du deinen Wasserkonsum erhöhen und mehr gesunde Kohlenhydrate in deine Ernährung aufnehmen.

Die Risiken von übermäßigem Proteinkonsum

Ein moderater Proteinkonsum ist zwar wichtig für die allgemeine Gesundheit, aber ein zu hoher Konsum kann zu verschiedenen gesundheitlichen Problemen führen.

Nierenschädigung

Obwohl es keine größeren Studien gibt, die einen hohen Proteinkonsum mit Nierenschäden bei gesunden Menschen in Verbindung bringen, kann ein übermäßiger Proteinkonsum bei Menschen mit einer bereits bestehenden Nierenerkrankung zu Schäden führen. Das liegt daran, dass geschädigte Nieren härter arbeiten müssen, um den zusätzlichen Stickstoff und die Abfallprodukte aus dem Eiweißstoffwechsel auszuscheiden.

Leberprobleme

Bei gesunden Menschen stellt eine normale Eiweißzufuhr keine Gefahr für die Leberfunktion dar. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass ein sehr hoher Proteinkonsum nach längerem Fasten (über 48 Stunden) zu akuten Leberschäden führen kann. Wenn du Leberprobleme hast, solltest du unbedingt deinen Arzt konsultieren, bevor du deine Proteinzufuhr stark veränderst.

Dehydrierung

Ein erhöhter Eiweißkonsum kann zu Dehydrierung führen, da dein Körper überschüssigen Stickstoff mit Flüssigkeit und Wasser ausschwemmt. Um diesem Effekt entgegenzuwirken, ist es wichtig, dass du mehr Wasser zu dir nimmst, besonders wenn du körperlich aktiv bist.

Erhöhtes Krebsrisiko

Einige Studien haben eine eiweißreiche Ernährung, insbesondere mit rotem Fleisch, mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung gebracht. Der Verzehr von Eiweiß aus anderen Quellen, wie Geflügel, Fisch und pflanzlichen Lebensmitteln, wird dagegen mit einem geringeren Krebsrisiko in Verbindung gebracht. Um mögliche Gesundheitsrisiken zu minimieren, ist es wichtig, sich ausgewogen zu ernähren und eine Vielzahl von Eiweißquellen einzubeziehen.

Herzkrankheiten

Eine Ernährung mit einem hohen Anteil an rotem Fleisch und Vollmilchprodukten, die oft in eiweißreichen Mahlzeiten enthalten sind, kann zu Herzkrankheiten beitragen. Das kann an der erhöhten Aufnahme von gesättigten Fetten und Cholesterin liegen. Wenn du dich für herzgesunde Proteinquellen wie Geflügel, Fisch und pflanzliche Produkte entscheidest, kannst du dieses Risiko verringern.

Kalziumverlust und Knochengesundheit

Eine proteinreiche, fleischbasierte Ernährung kann zu Kalziumverlusten führen, was wiederum Osteoporose und eine schlechte Knochengesundheit zur Folge haben kann. Die Forschung über den Zusammenhang zwischen Proteinzufuhr und Knochengesundheit ist jedoch noch nicht schlüssig. Eine ausreichende Kalziumzufuhr und eine ausgewogene Ernährung können zu gesunden Knochen beitragen.

Fazit: Das richtige Gleichgewicht finden

Eiweiß ist zwar ein wichtiger Bestandteil einer gesunden Ernährung, aber Mäßigung ist der Schlüssel. Der Verzehr von zu viel Eiweiß kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken, daher ist es wichtig, das richtige Gleichgewicht zu finden. Wenn du eine Vielzahl von Eiweißquellen, auch pflanzliche, verwendest und dich an die empfohlenen Tagesmengen hältst, kannst du die Vorteile von Eiweiß genießen, ohne dein Wohlbefinden zu gefährden. Denk daran, dass es immer am besten ist, deinen Arzt oder deine Ärztin zu konsultieren, bevor du deine Ernährung grundlegend änderst, besonders wenn du bereits gesundheitliche Probleme hast.

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